Flashback

Unsere letzte Nacht begann eigentlich wie immer. Der Mann und ich legten uns schlafen und Minimann schlummerte in seinem Zimmer. Gegen ein Uhr nachts wurde er wach und rief nach uns. Der Mann murmelte ‚Ich hol ihn rüber‘ und so blieb ich im Halbschlaf. Wie immer schnorchelte Minimann in unserer Mitte friedlich weiter. Als der Mann von der Toilette kam flüsterte er ‚Es riecht verbrannt aus der Lüftung‘, das reichte schon und ich sprang auf um ’nachzuriechen‘. Und tatsächlich, es stank richtig stark. Ich wurde nervös und tigerte durch die Wohnung. Mein Blick ging in den Hausflur, kein Rauch, alles klar, nur der Gestank kam mir jetzt noch deutlicher entgegen. Mir schlug das Herz bis zum Hals. Keine fünf Minuten später ertönten Sirenen, das Feuerwehrauto hielt vor unserem Eingang und die Feuerwehrmänner stürmten hinein. Puh, der Mann beruhigte mich und sagte immer wieder, dass die das schon richten werden. Trotzdem ging mein Kopfkino los, ich dachte an damals…

Vor Jahren als der Mann noch studierte führten wir noch eine Fernbeziehung, ich war jedes Wochenende bei ihm in seiner ein-Zimmer-Studentenbude. An einem Samstag Abend schauten wir einen Film, ich ging auf die Toilette und sagte ‚Es riecht verbrannt‘. Der Mann roch es auch aber wir konnten erstmal nicht herausfinden woher das kam. Mit der Zeit stank es auch im Zimmer. Ich machte die Wohnungstür auf und mir kam eine schwarze Wand entgegen. Stinkender, giftiger Qualm. Panik. Wir mussten da raus, so schnell wie möglich. Ich packte nur meine Handtasche, der Mann gab mir ein T-Shirt damit ich es vor den Mund halte zum atmen. Jeder Atemzug brannte und tat weh. Wir gingen raus, versuchten durch den Hausflur zur Tür zu kommen. Eine schlechte Idee, der Qualm wurde noch dichter, man konnte seine eigene Hand vor dem Gesicht nicht mehr erkennen. Ich schrie die ganze Zeit nach dem Mann um ihn nicht zu verlieren. Er lenkte mich zurück ins Haus, durch den Hausflur zum Fenster. Er machte es auf und sagte ‚Wir müssen springen‘ Es war der erste Stock, nicht besonders hoch, aber ich war voller Panik. Der Mann sprang zuerst, es war natürlich kein Problem für ihn, er redete mir gut zu. Ich sprang, prellte mir den Fuß aber wir waren draußen. Sofort kamen Sanitäter und stützten uns. Wir sahen schlimm aus, ganz schwarz überall. Ein Krankenwagen fuhr uns ins Krankenhaus. Ich konnte nicht viel denken, war froh da raus gekommen zu sein und den Mann bei mir zu haben. Wir lagen dann mit einer Rauchvergiftung einige Tage im Krankenhaus.

Seit diesem Erlebnis ertrage ich verbrannten Geruch schwer. Lange konnte ich keine Kerze anzünden.
Diese Nacht durchströmte mich die gleiche Panik wie damals, hinzu kam eine unfassbare Angst um mein Kind.
Wir standen die ganze Zeit am Fenster und beobachteten das Geschehen. Die Feuerwehrmänner da unten wirkten entspannt, nach ca. 15 Minuten kamen sie wieder aus dem Haus und fuhren davon. Das war es dann wohl, wahrscheinlich war nichts dramatisches passiert und die Lage schnell unter Kontrolle. Entwarnung also.
Wir gingen wieder ins Bett, mein Körper war voller Adrenalin und wir flüsterten noch aufgeregt (also ich, der Mann war entspannt). Ich konnte ewig nicht wieder einschlafen und war unruhig. Heute starte ich mit einem mulmigen Gefühl in die Woche. Zum Glück hat der Minimann alles verschlafen, er lag eingekuschelt in unserem Bett, brabbelte im Schlaf ‚Tatü tata Tatü tata‘ und war wirklich zuckersüß. Ich hoffe, uns passiert sowas nie wieder, diese Hilflosigkeit und Panik dadurch lassen mich jetzt noch erstarren.

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3 Gedanken zu “Flashback

  1. Wir tun mal so, als hätte ich gerade keine Tränen in den Augen. Seit ich 5 bin, habe ich (eigentlich grundlos) extrem Angst vor Feuer bzw. Bränden. Ich kanns mir nicht wirklich erklären.

    Aber ich bin froh, dass es bei euch doch nichts schlimmes war. Ich hoffe, das passiert nicht wieder!

  2. Nicht auszudenken, was das für ein furchtbares Gefühl sein muss…. und jetzt mit der Verantwortung für euren süßen kleinen Jungen noch tausend mal schlimmer!

  3. Oje, wenn Dich das so beschäftigt, informier Dich doch mal, ob es Sicherheitstrainings oder ähnliches gibt, an denen Du teilnehmen kannst. Das macht Dich vielleicht ein bisschen ruhiger. Bei mir auf der Arbeit waren die für alle Beschäftigten Pflicht. Dort habe ich zum Beispiel auch gelernt, dass man niemals in einen schon verqualmten Hausflur gehen darf. Türe wieder zu, mit feuchten Tüchern abdichten, Feuerwehr anrufen und am Fenster auf sich aufmerksam machen.
    LG, S.

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