Ein Rückblick

Heute ist mein letzter Tag zu Hause und ich lasse die Zeit Revue passieren…

Im Juni letzten Jahres hatte ich meinen letzten Arbeitstag und wurde mit vielen guten Wünschen in den Mutterschutz und die Elternzeit entlassen. Ich musste wegen vorzeitiger Wehen ins Krankenhaus, danach sollte ich mich schonen. Die Zeit verging überhaupt nicht. Nach der 37. Woche durfte ich mich wieder normal belasten, das habe ich auch getan. Ich habe mich viel verabredet, genoss die freie Zeit und das unabhängig sein. Ich konnte es kaum erwarten meinen Sohn endlich in den Armen zu haben, seine Füßchen, die mich immerzu traten, zu sehen, wollte wissen ob er viele Haare hat, wie er aussieht und vor allem: ihn kennenlernen!

Am 20. August war es dann soweit, mein Kind kam auf die Welt und das Abenteuer ‚Mama sein‘ begann. In den ersten Wochen war ich unsicher, hatte Angst etwas falsch zu machen mit diesem kleinen, zerbrechlichen Wesen. Ich hatte eine wunderbare Hebamme, sie gab Tipps, hatte auf jede Frage eine Antwort, half wo sie konnte und ich konnte ihr vertrauen. Denn ich habe die Erfahrung gemacht: Jeder weiß es am besten und jeder macht die Dinge auch irgendwie anders. Für mich war es unheimlich wichtig jemanden zu haben, dem ich vertraue, auf den ich, neben meinem Bauchgefühl, hören kann und dessen Meinung mir wichtig ist. So sind wir unseren Weg gegangen, wir hatten einen schönen gemeinsamen Start. Das Stillen klappte gut, es gab nur kleinere Schwierigkeiten. Wir lebten in den Tag hinein, ohne jeglichen Rhythmus, nur von einem zum nächsten Stillen. Anfangs tat ich mich schwer mit dem spazieren gehen, ich hatte Angst, dass er unterwegs weint und ich ihn nicht beruhigen kann. Aber es ist wie mit allem im Leben: Übung macht den Meister. Mir wurde es also immer wichtiger an die frische Luft zu kommen, ging stundenlang mit meinem kleinen Menschen spazieren, so dass er draußen schlafen oder sich die vorbeiziehende Welt anschauen konnte. Nach ein paar Wochen stillte ich das erste Mal in der Öffentlichkeit, meine Mama war zu Besuch und ermutigte mich dazu. Natürlich war es kein Problem, ich hatte schnell den Dreh raus und konnte sehr diskret überall stillen. In der Schwangerschaft noch unvorstellbar, aber ich stillte wirklich überall wenn es sein musste. Ich habe da überhaupt keine schlechten Erfahrungen gemacht, nie hat jemand etwas Abfälliges gesagt. Natürlich erntete ich viele neugierige Blicke, komische Menschen ignorierte ich einfach. Es war aber nie so, dass mir jemand zu nah kam oder richtig glotzte. Ich habe immer auf Diskretion geachtet und mich nie halb nackt präsentiert. Leider ging unsere Stillbeziehung ein wenig früher zu Ende als ich es mir gewünscht hätte. Mit ungefähr 8 Monaten fing der Minimann an zu verweigern. Nach und nach ersetzten wir die Mahlzeiten und mit knapp 9 Monaten haben wir abgestillt. Ihm ging es damit wunderbar. Im Nachhinein denke ich, dass es alles ganz richtig war wie es gelaufen ist. Ich hatte mit dem Abstillen zu tun, war traurig, aber viel wichtiger ist: meinem Kind ging es gut damit und ich nahm ihm nichts, was er noch unbedingt eingefordert hat. So ist aus ihm ein richtiger Esser geworden, mittlerweile isst er alles von uns mit. Wir gingen den Weg von Brei zur festen Nahrung und testen uns heute noch durch, was unser Minimann gerne isst.

Wir waren ein mal in der Woche beim PEKiP, über 8 Monate lang. Das war ein sehr schöner, fester Termin in unserem Jahr. Sonst hatten wir unsere BloggerKrabbelGruppe mit der wir uns jeden Mittwoch zum Frühstück und den ganzen Tag trafen. Dazu kamen Dates mit Freundinnen und deren Babys oder einer Bekannten aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Wir waren mit unserer MamaBaby-Zookarte auch oft im Zoo zum spazieren und häufig auch quatschen. Wir waren viel verabredet, mir war das immer wichtig auch unter andere Menschen zu kommen, für mich und für den Minimann. Er ist es von Anfang an gewöhnt mit anderen Babys zusammen zu sein. Ich denke, das hat ihm sehr geholfen bei der Eingewöhnung in der Krippe. Wir hatten aber auch unsere Tage ohne Verabredung, zu Hause spielen, raus gehen, den Haushalt schmeißen, gemeinsam einkaufen. Das hat gut getan.

Die Wochenenden waren immer Familienzeit, mit dem weltbesten Mann und Papa. Wir verbrachten die Zeit zu dritt oder besuchten Oma und Opa. Wir trafen uns auch mit Freunden + Kindern zum grillen im Park, Zoo oder gemeinsamen Nachmittagen zu Hause. Immer spontan und wie wir Lust hatten.

In den letzten Monaten der Elternzeit, vor allem als ich dann nicht mehr stillte, hatten wir mal wieder Lust auszugehen. Seit dem machen wir das regelmäßig, gehen ins Kino oder essen oder mit Freunden los. Ich gehe auch wieder häufiger mit meinen Mädels aus. Das tut sehr gut und macht mir Spaß. Das einzige wonach mir nicht mehr ist: Disco und die Nacht durchmachen. Dafür ist mir der Schlaf viel zu wichtig geworden als Mama 😉

Denn der Schlaf hat sich als Eltern natürlich auch sehr verändert. Die ersten Nächte nach der Geburt habe ich gar nicht geschlafen, wirklich, gar nicht. Ich konnte es mir da auch nicht vorstellen jemals wieder zu schlafen, ich dachte, ich müsste meinen Sohn jetzt 24h immer ansehen 😉 Diese Illusion war schnell vorbei, denn das packt man einfach nicht. So schlafen wir von Phase zu Phase mal gut und mal schlecht, mal mehr und eben weniger. In der Stillzeit kam ich mit dem Schlafmangel viel besser klar habe ich festgestellt. Die Hormone unterstützen da unheimlich. Jetzt kann ich nur müde lächeln wenn meine Freundinnen mir erzählen, wie schlecht sie geschlafen haben. Ich finde, früher wusste ich überhaupt nicht was es heißt, wirklich müde zu sein 😉

Mein Mann hatte auch Elternzeit und wir verbrachten zwei wunderbare Monate zu dritt. Wir erlebten unseren ersten Familienurlaub auf Mallorca und empfanden die ganze Zeit als großen Urlaub. Für mich war es Luxus, denn der Alltag macht natürlich auch Arbeit, die ich in der Zeit nicht mehr alleine machen musste.

Ein paar Sorgen plagten uns, die Suche nach einem schönen KiTa-Platz, der Gutschein vom Jugendamt, meine Zukunft und wie wir das alles überhaupt organisieren. Wir haben jetzt einen Weg gefunden, der grobe Rahmen steht und es fehlen noch Einzelheiten die geklärt werden müssen. Ich gehe ab Montag wieder arbeiten, für 20 Stunden in der Woche. Wir hoffen, dass wir damit finanziell hinkommen und, dass unsere Planung so hinhaut. Aber was lehrt die Vergangenheit: das klappt schon, es hat immer noch alles geklappt.

Die Zeit als Mama hat mir gezeigt: Es bringt nichts, sich vorher den Kopf über ‚ungelegte Eier‘ zu zerbrechen. Meistens kommt es sowieso anders und wird alles nur halb so schlimm. (so geschehen beim Abstillen zum Beispiel, was hatte ich eine Angst davor).

Die Entscheidung für unseren Sohn war die beste unseres Lebens. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie lange es gedauert hätte, wenn wir gewartet hätten. Wir sind junge Eltern und ich bin froh darüber. Jetzt also Karriere mit Kind, irgendwie. Denn es wächst die Sehnsucht nach einer Nummer Zwei. Ich kenne mich, nicht mehr lange und diese Sehnsucht wird unheimlich groß werden. Wir ebnen dem jetzt schon den Weg. Aber erstmal, ja erstmal fange ich am Montag wieder an zu arbeiten.

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Ein Gedanke zu “Ein Rückblick

  1. Wie schönn du das wieder geschrieben hast! Ich kann mich immer so reinversetzen aber auch noch neugieriger werden, was noch auf uns zukommt. Das erste halbe Jahr liegt nun hinter uns… Mit einem Lächeln aber auch mit einem weinenden Auge blicke ich ins nächste halbe Jahr, bevor für uns ein neuer Abschnitt beginnt… *seufz*
    Ich wünsche dir einen tollen Start im Job und deinem kleinen Mann super viel Spaß in der KiTa. Ihr meistert das alles toll!!!!

    Viele Grüße
    Stephie

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