Ostern und so

Die Tage vor Ostern hatte der Mann Urlaub, welche wir in Berlin verbrachten. Da gab’s einen super entspannten Besuch bei Ikea, ein wunderbares Frühstück mit Freunden und viele Spaziergänge im Freien bei dem tollen Wetter.

Ostersamstag sind wir dann zu meinem Schwager, nebst Freundin und Kind, gefahren. Im Nachbarort wohnen die Schwiegereltern. Ich bin nicht sonderlich gern dort, dafür gibt’s viele Gründe aber im Moment steht im Vordergrund, dass dort ständig meine Erziehungsansichten in Frage gestellt werden und ich somit den Minimann ständig ‚beschützen’ muss.

Wir kamen an, mit Minimann im Autositz und wir voll beladen mit unserem Kram. Meine Schwägerin in spe (es wird bald geheiratet) pflückt ihn sofort aus der Schale und drückt ihn an ihr stark parfümiertes Dekoltee. Klar, Minimann fängt an zu weinen und ich nehme ihn ihr ab, mit der Bitte, ihn erst mal ankommen zu lassen. Er braucht, in neuer Umgebung und mit Menschen die er nicht jeden Tag sieht, einfach ein paar Minuten. Egal, ich kriege einen Vortrag darüber, dass er fremdelt und man dagegen halten muss. Super Start, ich war zu dem Zeitpunkt schon genervt und leicht gereizt.

Am Nachmittag ging es an die frische Luft. (Zum Glück, die Schwägerin wollte eigentlich unbedingt in die Therme um ihrer Tochter etwas besonderes zu bieten. Es ist ja schließlich Ostern. Aber da hab ich mich quergestellt, bei 24° C und Sonnenschein geh ich nicht in ein bullenheißes Schwimmbad.)

Das war wirklich schön, wir waren auf dem Ostermarkt, auf dem Spielplatz und Eis essen. Unser Kleinster fand es ganz toll mit mir zu schaukeln und auf dem Trampolin zu hüpfen. Nach der ganzen Aufregung ist er erschöpft im Kinderwagen eingeschlafen.

Abends sind wir zu den Schwiegereltern ins Nachbardorf zum Osterfeuer gefahren. Es war schon lange Schlafenszeit für meinen kleinen Mann, also nahm ich ihn in der Trage mit und er schlief auf dem kurzen Fußweg dorthin ein. So lange bis der Opa kam, ihm die Mütze hochzog, im Gesicht streichelte (anpatschte) bis er wach war. Der Opa war der festen Überzeugung: ‚Der ist nicht müde! Der will gucken, lass ihn doch mal das Feuer angucken Mensch!’. Nach zwei Minuten gucken zappelte mein Kind in der Trage, wurde unruhig und wollte einfach schlafen. Also badete ich die Sache aus und lief eine halbe Stunde abseits des Geschehens umher. Er schlief wieder tief und feste ein und so genossen der Mann und ich noch ein paar Minuten den Blick auf das imposante Feuer, ganz in Ruhe, ohne die Familie.

Die Nacht war kurz, der Minimann fing an zu schreien und weckte damit seine Cousine, die wiederrum anfing zu weinen und so ging das hin und her.

Meine Schwägerin stand irgendwann auf und schlich sich hinaus. Mit einem Wäschekorb voller Geschenke. Die wurden dann im Garten versteckt. Für den Minimann gab es auch ordentlich was zu suchen. Für meinen Geschmack viel zu viel. Unsere kleine Nichte (21 Monate) suchte und war begeistert. Jedoch hat sie gar nicht jedes einzelne Teil wahrgenommen, sondern war nur noch gierig. Sie wollte alles haben und am liebsten auch die Geschenke für den Minimann selber behalten.

Wieder in der Wohnung wurde dann alles ausgepackt. Es war wie Weihnachten und Geburtstag zusammen für die kleine Maus. So viele Geschenke auf einmal. Irgendwann ist sie einfach gegangen und hat ihre gewohnten Spielsachen geholt. Ich hatte den Eindruck, dass sie das alles gar nicht begreifen konnte.

Sie ist sehr eifersüchtig auf den Minimann, sie teilt ihr Spielzeug nicht mit ihm und wenn man nicht aufpasst, knallt sie ihm auch einfach mal eine. Sie kann ihre Kräfte noch nicht einschätzen, das ist normal, aber ihre Eltern greifen nicht ein. Sagen immer nur: ‚Vorsichtig sein! Ganz lieb eeeeeei machen beim Baby.’. Das ist ihr aber komplett egal. Die beiden verteidigen sie sogar immer noch und sagen, dass es ja nicht schlimm war. (Sie hat ihm an den Beinen gezogen, er verlor das Gleichgewicht und kippte vorn über, knallte mit dem Kopf auf den Boden. Ich finde das sehr wohl schlimm, weil er sich nicht wehren kann und ihr quasi ausgeliefert ist). Also bin ich da auch ständig hinterher und muss aufpassen.

Mittags fuhren wir zu Oma und Opa. Dort wurde erneut gesucht und es gab noch einmal viel zu viele Geschenke. Vor allem für unsere Nichte. Sie wurde geradezu überhäuft, unglaublich übertrieben. Das Grillen im Garten war aber sehr schön, tolles Wetter, leckeres Essen an der frischen Luft und ich hatte ja meine zwei liebsten Jungs dabei 😉

Beim Füttern vom Minimann durfte ich mir schon einige Kommentare vom Opa anhören, dass er keinen Hunger mehr hat, ich soll ihn doch in Ruhe lassen, bla bla bla.

Dann ging es ab in den Tierpark. Das war wirklich schön. Der Minimann guckte interessiert den Erdmännchen zu, grinste die lustigen bunten Vögel an und erzählte fröhlich, mein kleiner Strahlemann.

Doch natürlich hagelte es schlaue Kommentare von Oma und Opa. Das ging von ‚Der soll nicht schlafen!’ über ‚Der ist viel zu warm angezogen, zieh dem was aus, der kriegt noch Maden!’. Aber der Höhepunkt war die Eiswaffel, die sie ihm gegeben haben, während ich auf der Toilette war. Daran lutschte er natürlich leidenschaftlich rum und so war ich wieder die böse Schwiegertochter, als ich sie ihm abnahm. (Sie wissen, dass sie ihm nichts geben sollen ohne mich zu fragen). Ich habe ihm dann etwas Obst-Getreide-Brei angeboten, worauf der Opa prompt reagierte mit dem Spruch ‚Der hat keinen Hunger! Der hat doch gerade die Waffel geknuspert, lass ihn in Ruhe mit dem Kram!’. Ich brodelte innerlich, aber der Minimann aß genüsslich seinen Brei und gab ihm somit die Antwort.

Dann schlenderten wir so langsam zum Ausgang und fuhren von dort aus wieder nach Berlin. Was war ich froh, wieder zu Hause zu sein.

Ich frage mich, wie soll das die nächsten Jahre laufen an Ostern? Ich hatte nicht vor, den Minimann mit Geschenken zu überhäufen. Da müssen wir eine Lösung finden, das geht so nicht.

Und jetzt genießen wir den Ostermontag. So. 🙂

(Entschuldigt diesen Mecker-Eintrag, aber ich musste mir das alles einfach mal von der Seele schreiben).

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6 Gedanken zu “Ostern und so

  1. Oh man da würde ich vermutlich ausrasten. Wahnsinn, dass du dich da so zurückhalten kannst.
    Ich würde versuchen da nochmal ganz klar Regeln aufzustellen, zum Beispiel nur ein Geschenk oder sowas. Da muss dein Mann dann aber absolut auf deiner Seite sein und dich unterstützen, sonst stehst du nachher wieder als die Böse da.

    Zum Glück sind solche Feste nicht ständig.

    • Ich hab einfach keine Lust zu streiten, die sind alle so eingefahren in ihren Ansichten. Das bringt keinem was.. Der Mann steht voll hinter mir und sagt, ich soll die quatschen lassen 😉
      Mit den Geschenken ist schwierig, weil die Nichte ja so überhäuft wird. Und wenn der Minimann das irgendwann mitbekommt, wird er sich wohl unfair behandelt fühlen. Das will ich auch nicht.
      Naja wir finden schon eine Lösung, ist ja erstmal ein Jahr Zeit 🙂

  2. Ich würde da wahrscheinlich gepflegt aus der Haut fahren.
    Dein Kind, deine Regeln. So einfach ist das.
    Am meistens stören mich grade echt die Formulierungen. “Der will nicht schlafen.“ Der. Er ist doch kein Ding. Und nun ja, ich nehme an, wenn er schläft, dann wird er wohl auch schlafen wollen.
    So schwer ist das doch nicht.

    • Es kostet mich viel Überwindung ruhig zu bleiben.. Ich sage meine Meinung/Regeln und stelle mich vor mein Kind. Streit wäre doof, sind ja immer noch die Eltern vom Liebsten.
      Ja wie sie reden macht’s nur noch schlimmer, sehr ruppig..

  3. Ufffz, ich kann gerade sehr viel davon nachfühlen und hier wurde auch viel sikutiert, dass wir die Feiertage für die Verwandschaft feiern und nicht für uns und wir versuchen, unsere Kinder und ihre Bedürfnisse um die Wünsche der Großeltern und Tanten herumzubiegen….
    Bei uns muss sich was ändern – wobei ich z. B. bei den Geschenken wenig ändern kann, wir aber für uns einfach Maß halten und es auch bei meinen Eltern gut klappt – ein kleines Geschenk – fertig- Die Schwiegermutter übertreibt da immer sehr .
    Für mich schwieriger ist es, den zeitlichen Wünschen der Verwandschaft gerecht zu werden – denn überall sollen wir zum Mittagessen kommen – ( = Schlafenszeit des Kleinen) und dann noch bleiben bis zum Kaffee und ihr wollt doch wohl noch nicht gehen….. selbst wenn es ausgemacht ist, klappt es nicht, obwohl ich mir echt Mühe gegeben habe, damit auch Zeit mit den Kindern ist. Da wird um jede Minute gefeilscht und das Essen rausgezögert usw. usw….
    Für uns ist immer klarer, dass wir wohl nur noch einen abwechselnd Besuch pro Festivität machen werden – und einen Tag für uns als Familie genießen wollen – Das wird Krach geben, aber auch mehr Ruhe bringen

  4. Oh, das klingt wirklich anstrengend! Da bin ich doch sehr froh über meine Eltern und Schwiegereltern. Es kommt höchstens mal eine zaghafte Bemerkung, warum ich das Babymädchen denn ständig schleppe (zb weil sie einfach nicht anders zur Rzuhe kommt, wenn sie nicht zu hause ist) oder dass sie mal was richtiges zu essen braucht. Seit die beiden Omas versucht haben, sie zu füttern, verstehen sie endlich, dass das Babymädchen noch nicht so auf essen steht, obwohl wir dran ‚arbeiten‘. Gibt man ihr was mit Stückchen oder Brot würgt sie sofort. Auch ein sehr eindrucksvolles und abschreckendes Zeichen.

    Aber wie gesagt nichts im Vergleich zu deiner Schwiegerfamilie! Schön, dass ihr trotzdem ein paar schöne Stunden hattet!

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