Abendwahnsinn

Direkt nach der U2 hat der Mann mich und den Minimann aus dem Krankenhaus abgeholt. Es war Sonntagabend und regnete. Ich wollte unbedingt in meine gewohnten vier Wände, in mein Bett. Ich hatte seit der Geburt (Freitag Abend) kein Auge mehr zugemacht und mein Minimann hat die beiden Nächte quasi durchgebrüllt. Ich hoffte, das wird zu Hause besser.

Auch die ersten Nächte zu Hause waren fast schlaflos, aber ich hatte den Mann an meiner Seite und war in meiner gewohnten Umgebung. Das spürte auch unser kleiner Sohn, er brüllte nicht mehr die ganze Nacht durch. Aber in den ersten Wochen etablierte sich der ‚Abendwahnsinn‘. Wir haben das Spektakel so getauft.

Es kündigte sich am späten Nachmittag an, der Minimann wurde unruhig. In den Abendstunden fing er dann an zu weinen, scheinbar grundlos. Er weinte und weinte und weinte. Wir trugen ihn umher, hielten ihn ganz fest, puckten ihn, taten einfach alles. Er weinte trotzdem. Das ging meist eine halbe bis eine Stunde so (es kam mir eeewig vor!) bis er dann erschöpft einschlief. Wir hatten ihn dann immer auf dem Arm, so ging es irgendwie am besten und schnellsten vorüber.

Phasenweise passierte es jeden Abend, dann wieder nur ab und zu. Bis er ungefähr vier Monate alt war, dann wurde es immer weniger. Jetzt kommt es nur noch sehr selten vor.

Wir fühlten uns unglaublich hilflos, unser kleiner Sohn tat uns wahnsinnig leid. Er schrie wirklich wie am Spieß manchmal und so trugen wir ihn umher. In dieser Zeit schafften wir uns die Tragehilfe an, das Tragen darin wirkte manchmal wie eine Wunderwaffe. Oft gingen wir raus spazieren, durch die laute Umgebung beruhigte er sich besser. Es half ihn zu massieren, vor allem an den Beinchen. Der Föhn funktionierte meist gut und bringt ihn noch heute manchmal schnell wieder zur Ruhe. So haben wir einige Methoden gefunden, die ihn beruhigen. Aber es gab immer Phasen, in denen nichts half und wir ihm nur beistehen und abwarten konnten. Das war hart und hat mich viel Kraft gekostet.

Es konnte mir nie jemand genau sagen, was das ist, warum er so weint. Ich vermute, er hat einfach die Eindrücke verarbeitet, die Geburt, das ganze Neue. Das war sein Weg.

Heute ist es besser, er ist kein kleines Neugeborenes mehr. Er kommt besser mit sich und seiner Umwelt zurecht. Mein großer Junge. Und ich stelle fest, das Mütter-Mantra ‚Es ist nur eine Phase. Es ist nur eine Phase. Es ist nur eine Phase.‘ stimmt tatsächlich 😉

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Ein Gedanke zu “Abendwahnsinn

  1. Oh ja, man vergisst das fast, oder? Abendliches Gebrüll hatten wir auch oft. Wie gut, dass das nur eine Phase war…. die nun Platz für andere Phasen gemacht hat. 🙂

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